Die Scheibe ist das
kleinste Problem.
Eine Fassade ist kein
großes Fenster.
Senkrechte Pfosten und waagerechte Riegel aus Aluminium oder Stahl bilden das Tragwerk, meist thermisch getrennt. Das Glas liegt im Falz und wird von außen mit einer Andruckleiste geklemmt, darüber sitzt die sichtbare Deckschale. Eingebaut wird die Einheit nach demselben Prinzip wie eine Isolierverglasung im Fensterrahmen: Falz, Klotzung, Dichtung, Entwässerung. Nur hängt hier die ganze Gebäudehülle daran.
Das Glas selbst ist der einfache Teil. Maß nehmen, bestellen, einsetzen. Was den Unterschied macht, sind fünf Details drumherum. Wenn eines davon nicht stimmt, hält die neue Einheit nicht länger als die alte, oder man sieht den Eingriff hinterher von der Straße aus.
Fünf Punkte, an denen
es tatsächlich hängt.
Der Randverbund muss verdeckt bleiben
Am Rand jeder Isolierglaseinheit sitzt der Randverbund. Er hält die Scheiben auf Abstand, nimmt das Trockenmittel auf und dichtet den Zwischenraum ab. Die äußere Dichtstoffebene verträgt dauerhafte Sonne nicht gut. Deshalb muss der Glasrand hinter der Glashalteleiste liegen und darf nicht frei stehen. Wie tief die Einheit einstehen muss, gibt das Profilsystem vor, je nach System etwa 12 bis 18 Millimeter. Wird zu knapp bestellt oder sitzt die Leiste zu flach, ist die neue Scheibe in wenigen Jahren wieder blind. Reklamiert wird dann das Glas, obwohl der Einbau die Ursache war.
Brüstungsfeld und Absturzsicherung sind nicht dasselbe
Das ist der Punkt, an dem am häufigsten das falsche Glas bestellt wird, weil beide Felder von außen fast gleich aussehen. Vor einem Deckenrand mit Dämmung dahinter sitzt eine geschlossene Ausfachung. Dort kann die Wärme nicht weg, das Feld heizt stark auf, und es gehört vorgespanntes Glas mit keramischem Siebdruck hinein. Der Druck wird beim Vorspannen eingebrannt, bleibt farbecht und verdeckt den Aufbau dahinter. Je nach Einbausituation wird heißgelagertes ESG-H verlangt.
Anders liegt der Fall, wenn die Verglasung Personen vor dem Absturz schützt, etwa bei raumhohen Feldern ohne Geländer davor. Dann gelten die Anforderungen an absturzsichernde Verglasungen, und dort ist in der Regel Verbundsicherheitsglas gefordert, weil es nach dem Bruch in der Folie hängen bleibt. Vorgespanntes Glas allein zerfällt vollständig. Wer beides verwechselt, baut im schlimmsten Fall eine Lücke in die Absturzsicherung ein.
Die Leiste verzeiht keinen Fehler
Deckschale und Andruckleiste sind dünnwandiges Aluminium. Wer sie punktuell mit dem Schraubendreher heraushebelt, hat sofort eine Delle, und eine verbogene Leiste sitzt nie wieder sauber auf. Von der Straße aus sieht man das über die ganze Fassadenachse. Gelöst wird deshalb mit dem passenden Werkzeug, über die Länge verteilt und mit breiter Auflage.
Beim Zusammenbau zählt das Anzugsmoment: zu fest quetscht die Dichtung dauerhaft und zieht die Leiste krumm, zu locker lässt die Fuge offen. Die Werte stehen im Systemhandbuch, sie sind kein Gefühl.
Nicht jeder Dichtstoff darf ans Glas
Silikon ist nicht gleich Silikon. Essigvernetzende Massen setzen beim Aushärten Säure frei und greifen den Randverbund und die Dichtungen an. Man sieht davon zunächst nichts, und nach ein paar Jahren ist die Einheit blind. Verwendet wird deshalb ausschließlich neutralvernetzendes, säurefreies Material, das der Systemhersteller für diesen Aufbau freigegeben hat. Dasselbe gilt für Reinigungsmittel im Falz: was Beschichtung oder Randverbund angreift, hat dort nichts zu suchen.
Der Falzraum muss entwässern können
In den Falz kommt immer etwas Wasser, das ist eingeplant. Es läuft vom Glasfalz in den Riegel, vom Riegel in den Pfosten und unten nach außen. Über dieselben Öffnungen findet der Dampfdruckausgleich statt. Sind sie mit Dichtstoff, Staub oder altem Material zugesetzt, steht das Wasser am Glasrand. Genau das ist bei den meisten Fassaden, die wir öffnen, der eigentliche Grund für die undichte Einheit. Wir reinigen und prüfen die Entwässerung beim Tausch mit, sonst tauschen wir in drei Jahren erneut.
Was am Objekt
geklärt wird.
Hersteller und Bautiefe bestimmen Falzmaß, Einstandstiefe und die passende Dichtung. Oft steht die Kennung auf der Innenseite des Profils oder auf der Deckleiste.
Zweifach oder dreifach, Scheibendicken, Beschichtung, Sonnenschutz, Schallschutz. Häufig steht der Aufbau als Stempel im Randbereich der vorhandenen Scheibe.
Geschlossene Brüstungsausfachung, Sichtfeld, absturzsichernde Verglasung oder Eingangsbereich mit Widerstandsklasse. Danach richtet sich, welches Glas überhaupt zulässig ist.
Bei einer geklebten Fassade im Structural Glazing gibt es keine Andruckleiste, dort trägt eine Silikonverklebung. Der Austausch läuft dann über den vorgefertigten Rahmen und ist ein anderer Vorgang.
Etage, Standfläche, Zufahrt. Und das Gewicht der Einheit, denn davon hängt ab, ob mit Saugern von Hand, mit Hebegerät oder mit Hebebühne gearbeitet wird. Das klären wir beim Aufmaß gemeinsam.
Was Erfahrung
hier ausmacht.
An einer Pfosten-Riegel-Fassade sieht man einem Fehler nicht sofort an, dass es einer war. Die Scheibe ist drin, die Leiste sitzt, der Kunde ist zufrieden. Was falsch gelaufen ist, zeigt sich zwei bis fünf Jahre später: die Einheit beschlägt wieder, die Deckschale steht an einer Stelle ab, oder im Sommer reißt eine Scheibe ohne erkennbaren Anlass.
Die Klotzung ist so ein Punkt. Tragklötze müssen an den vorgesehenen Stellen sitzen, damit das Gewicht in den Pfosten geht und nicht auf den Randverbund drückt. Distanzklötze halten die Einheit mittig, damit sie sich frei bewegen kann. Beides steht in den Verglasungsrichtlinien und beides kostet keine zusätzliche Zeit, wenn man es kennt.
Dasselbe gilt für die Dichtungen. Ist die Innendichtung hart geworden, wird sie ersetzt und nicht wiederverwendet. Bei Kälte lässt sich mancher Dichtstoff gar nicht sauber verarbeiten, dann wird der Termin verschoben statt gepfuscht. Und die Reihenfolge stimmt: Falz reinigen, Entwässerung prüfen, klotzen, Einheit setzen, Andruckleiste mit dem vorgegebenen Moment, dann erst die Deckschale.
Nichts davon ist geheim. Es steht in den Systemunterlagen und in den Richtlinien. Der Unterschied ist, ob jemand es schon hundertmal gemacht hat oder zum ersten Mal davorsteht.
Nicht nur am Hochhaus.
Pfosten-Riegel-Fassaden stecken in Bürogebäuden, in Treppenhäusern von Wohnanlagen, in Schulen, Kliniken, Verwaltungsgebäuden und in vielen Ladenfassaden. Sehr oft geht es dabei um genau ein Feld: eine beschlagene Einheit im dritten Stock, eine gerissene Scheibe nach einem heißen Sommer, ein Einbruchschaden im Erdgeschoss. Die restliche Fassade bleibt stehen, und das Raster bleibt geschlossen.
Für Hausverwaltungen und Gewerbekunden läuft das meist über einen festen Ansprechpartner: Meldung, Aufmaß, Angebot, Termin, Unterlagen für die Akte. Ist ein Feld offen, geht die Notsicherung vor, alles Weitere danach.
Kurz und ehrlich beantwortet.
Ein Feld in Ihrer Fassade?
Schicken Sie uns die Situation.
Ein Foto von außen und von innen, dazu eine Nahaufnahme der Deckleiste und, falls sichtbar, des Glasstempels im Randbereich. Damit lässt sich der Aufbau meist schon vor dem Termin eingrenzen. Fehlt alles, messen wir vor Ort auf.