Die Scheibe ist das
kleinste Problem.

Pfosten-Riegel

Eine Fassade ist kein
großes Fenster.

Wer zum ersten Mal vor einer Pfosten-Riegel-Fassade steht, sieht Glas in einem Raster. Der Tausch einer einzelnen Einheit sieht aus wie eine größere Fensterscheibe. Er ist es nicht.

Senkrechte Pfosten und waagerechte Riegel aus Aluminium oder Stahl bilden das Tragwerk, meist thermisch getrennt. Das Glas liegt im Falz und wird von außen mit einer Andruckleiste geklemmt, darüber sitzt die sichtbare Deckschale. Eingebaut wird die Einheit nach demselben Prinzip wie eine Isolierverglasung im Fensterrahmen: Falz, Klotzung, Dichtung, Entwässerung. Nur hängt hier die ganze Gebäudehülle daran.

Das Glas selbst ist der einfache Teil. Maß nehmen, bestellen, einsetzen. Was den Unterschied macht, sind fünf Details drumherum. Wenn eines davon nicht stimmt, hält die neue Einheit nicht länger als die alte, oder man sieht den Eingriff hinterher von der Straße aus.

Die Details

Fünf Punkte, an denen
es tatsächlich hängt.

01

Der Randverbund muss verdeckt bleiben

Am Rand jeder Isolierglaseinheit sitzt der Randverbund. Er hält die Scheiben auf Abstand, nimmt das Trockenmittel auf und dichtet den Zwischenraum ab. Die äußere Dichtstoffebene verträgt dauerhafte Sonne nicht gut. Deshalb muss der Glasrand hinter der Glashalteleiste liegen und darf nicht frei stehen. Wie tief die Einheit einstehen muss, gibt das Profilsystem vor, je nach System etwa 12 bis 18 Millimeter. Wird zu knapp bestellt oder sitzt die Leiste zu flach, ist die neue Scheibe in wenigen Jahren wieder blind. Reklamiert wird dann das Glas, obwohl der Einbau die Ursache war.

02

Brüstungsfeld und Absturzsicherung sind nicht dasselbe

Das ist der Punkt, an dem am häufigsten das falsche Glas bestellt wird, weil beide Felder von außen fast gleich aussehen. Vor einem Deckenrand mit Dämmung dahinter sitzt eine geschlossene Ausfachung. Dort kann die Wärme nicht weg, das Feld heizt stark auf, und es gehört vorgespanntes Glas mit keramischem Siebdruck hinein. Der Druck wird beim Vorspannen eingebrannt, bleibt farbecht und verdeckt den Aufbau dahinter. Je nach Einbausituation wird heißgelagertes ESG-H verlangt.

Anders liegt der Fall, wenn die Verglasung Personen vor dem Absturz schützt, etwa bei raumhohen Feldern ohne Geländer davor. Dann gelten die Anforderungen an absturzsichernde Verglasungen, und dort ist in der Regel Verbundsicherheitsglas gefordert, weil es nach dem Bruch in der Folie hängen bleibt. Vorgespanntes Glas allein zerfällt vollständig. Wer beides verwechselt, baut im schlimmsten Fall eine Lücke in die Absturzsicherung ein.

03

Die Leiste verzeiht keinen Fehler

Deckschale und Andruckleiste sind dünnwandiges Aluminium. Wer sie punktuell mit dem Schraubendreher heraushebelt, hat sofort eine Delle, und eine verbogene Leiste sitzt nie wieder sauber auf. Von der Straße aus sieht man das über die ganze Fassadenachse. Gelöst wird deshalb mit dem passenden Werkzeug, über die Länge verteilt und mit breiter Auflage.

Beim Zusammenbau zählt das Anzugsmoment: zu fest quetscht die Dichtung dauerhaft und zieht die Leiste krumm, zu locker lässt die Fuge offen. Die Werte stehen im Systemhandbuch, sie sind kein Gefühl.

04

Nicht jeder Dichtstoff darf ans Glas

Silikon ist nicht gleich Silikon. Essigvernetzende Massen setzen beim Aushärten Säure frei und greifen den Randverbund und die Dichtungen an. Man sieht davon zunächst nichts, und nach ein paar Jahren ist die Einheit blind. Verwendet wird deshalb ausschließlich neutralvernetzendes, säurefreies Material, das der Systemhersteller für diesen Aufbau freigegeben hat. Dasselbe gilt für Reinigungsmittel im Falz: was Beschichtung oder Randverbund angreift, hat dort nichts zu suchen.

05

Der Falzraum muss entwässern können

In den Falz kommt immer etwas Wasser, das ist eingeplant. Es läuft vom Glasfalz in den Riegel, vom Riegel in den Pfosten und unten nach außen. Über dieselben Öffnungen findet der Dampfdruckausgleich statt. Sind sie mit Dichtstoff, Staub oder altem Material zugesetzt, steht das Wasser am Glasrand. Genau das ist bei den meisten Fassaden, die wir öffnen, der eigentliche Grund für die undichte Einheit. Wir reinigen und prüfen die Entwässerung beim Tausch mit, sonst tauschen wir in drei Jahren erneut.

Vor der Bestellung

Was am Objekt
geklärt wird.

Diese Punkte stehen fest, bevor irgendetwas bestellt wird. Sie entscheiden über Glasaufbau, Preis, Termin und darüber, wie an die Scheibe herangekommen wird.
Profilsystem

Hersteller und Bautiefe bestimmen Falzmaß, Einstandstiefe und die passende Dichtung. Oft steht die Kennung auf der Innenseite des Profils oder auf der Deckleiste.

Glasaufbau

Zweifach oder dreifach, Scheibendicken, Beschichtung, Sonnenschutz, Schallschutz. Häufig steht der Aufbau als Stempel im Randbereich der vorhandenen Scheibe.

Aufgabe des Feldes

Geschlossene Brüstungsausfachung, Sichtfeld, absturzsichernde Verglasung oder Eingangsbereich mit Widerstandsklasse. Danach richtet sich, welches Glas überhaupt zulässig ist.

Geklemmt oder geklebt

Bei einer geklebten Fassade im Structural Glazing gibt es keine Andruckleiste, dort trägt eine Silikonverklebung. Der Austausch läuft dann über den vorgefertigten Rahmen und ist ein anderer Vorgang.

Zugang und Gewicht

Etage, Standfläche, Zufahrt. Und das Gewicht der Einheit, denn davon hängt ab, ob mit Saugern von Hand, mit Hebegerät oder mit Hebebühne gearbeitet wird. Das klären wir beim Aufmaß gemeinsam.

Erfahrung

Was Erfahrung
hier ausmacht.

An einer Pfosten-Riegel-Fassade sieht man einem Fehler nicht sofort an, dass es einer war. Die Scheibe ist drin, die Leiste sitzt, der Kunde ist zufrieden. Was falsch gelaufen ist, zeigt sich zwei bis fünf Jahre später: die Einheit beschlägt wieder, die Deckschale steht an einer Stelle ab, oder im Sommer reißt eine Scheibe ohne erkennbaren Anlass.

Die Klotzung ist so ein Punkt. Tragklötze müssen an den vorgesehenen Stellen sitzen, damit das Gewicht in den Pfosten geht und nicht auf den Randverbund drückt. Distanzklötze halten die Einheit mittig, damit sie sich frei bewegen kann. Beides steht in den Verglasungsrichtlinien und beides kostet keine zusätzliche Zeit, wenn man es kennt.

Dasselbe gilt für die Dichtungen. Ist die Innendichtung hart geworden, wird sie ersetzt und nicht wiederverwendet. Bei Kälte lässt sich mancher Dichtstoff gar nicht sauber verarbeiten, dann wird der Termin verschoben statt gepfuscht. Und die Reihenfolge stimmt: Falz reinigen, Entwässerung prüfen, klotzen, Einheit setzen, Andruckleiste mit dem vorgegebenen Moment, dann erst die Deckschale.

Nichts davon ist geheim. Es steht in den Systemunterlagen und in den Richtlinien. Der Unterschied ist, ob jemand es schon hundertmal gemacht hat oder zum ersten Mal davorsteht.

Wo das vorkommt

Nicht nur am Hochhaus.

Pfosten-Riegel-Fassaden stecken in Bürogebäuden, in Treppenhäusern von Wohnanlagen, in Schulen, Kliniken, Verwaltungsgebäuden und in vielen Ladenfassaden. Sehr oft geht es dabei um genau ein Feld: eine beschlagene Einheit im dritten Stock, eine gerissene Scheibe nach einem heißen Sommer, ein Einbruchschaden im Erdgeschoss. Die restliche Fassade bleibt stehen, und das Raster bleibt geschlossen.

Für Hausverwaltungen und Gewerbekunden läuft das meist über einen festen Ansprechpartner: Meldung, Aufmaß, Angebot, Termin, Unterlagen für die Akte. Ist ein Feld offen, geht die Notsicherung vor, alles Weitere danach.

Häufige Fragen

Kurz und ehrlich beantwortet.

Der Randverbund einer Isolierglaseinheit hält die beiden Scheiben auf Abstand und dichtet den Zwischenraum ab. Die äußere Dichtstoffebene ist nicht dauerhaft UV-beständig. Liegt der Rand frei, weil der Glaseinstand zu gering ist, altert sie schneller, und die Einheit beschlägt nach wenigen Jahren wieder. Deshalb muss der Rand hinter der Glashalteleiste verdeckt bleiben.
Nein, es kommt darauf an, was das Feld leisten muss. Vor einem Deckenrand mit Dämmung dahinter ist vorgespanntes Glas mit Siebdruck üblich, weil es sich stark aufheizt. Schützt die Verglasung dagegen Personen vor dem Absturz, gelten die Anforderungen an absturzsichernde Verglasungen, und dort ist in der Regel Verbundsicherheitsglas gefordert. Die beiden Fälle sehen von außen ähnlich aus und sind bautechnisch etwas völlig anderes.
Das hängt vom System ab. Die meisten Pfosten-Riegel-Fassaden sind von außen verglast, dort sitzen Andruckleiste und Deckschale. Es gibt auch innen verglaste Systeme. Welches vorliegt, sehen wir am Profil und an der Lage der Dichtungen.
Beim Structural Glazing hält kein Klemmprofil das Glas, sondern eine tragende Silikonverklebung zwischen Scheibe und Rahmen. Von außen ist keine Andruckleiste zu sehen. Der Austausch läuft dort über den vorgefertigten Rahmen und nicht über das Lösen einer Leiste. Ob eine Fassade geklebt oder geklemmt ist, erkennen wir an der Ansicht und am Profil.
Floatglas wiegt rund 2,5 Kilogramm je Quadratmeter und Millimeter Dicke. Eine Zweifacheinheit mit zweimal 6 Millimetern kommt damit auf etwa 30 Kilogramm je Quadratmeter. Eine Scheibe von 1,2 mal 2,2 Metern wiegt also rund 80 Kilogramm, dreifach entsprechend mehr. Deshalb arbeiten wir mit Saugern und zu mehreren.
Fassadeneinheiten sind Sonderanfertigungen. Je nach Aufbau, Beschichtung und Format sind ein bis drei Wochen üblich, bei Sonderglas länger. Ist ein Feld offen oder gerissen, sichern wir vorher.
Sie sitzt danach nicht mehr sauber auf. Die Deckschale klemmt oder steht ab, und von der Straße aus sieht man die Delle in der ganzen Fassadenachse. Ersatz ist möglich, aber systemgebunden und bei älteren Profilen nicht immer lieferbar. Deshalb wird sie mit dem passenden Werkzeug und über die volle Länge gelöst, nicht punktuell mit dem Schraubendreher.
Anfrage

Ein Feld in Ihrer Fassade?
Schicken Sie uns die Situation.

Ein Foto von außen und von innen, dazu eine Nahaufnahme der Deckleiste und, falls sichtbar, des Glasstempels im Randbereich. Damit lässt sich der Aufbau meist schon vor dem Termin eingrenzen. Fehlt alles, messen wir vor Ort auf.

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