Alles über Glas.
Fachlich korrekte Grundlagen für alle, die Glas besser verstehen wollen.
Floatglas
Floatglas ist das Ausgangsmaterial fast aller Glasprodukte im Bauwesen. Es wird hergestellt, indem flüssige Glasschmelze auf ein Bad aus flüssigem Zinn aufgeschwemmt wird. Die Oberfläche wird dabei von selbst plan, ohne mechanische Bearbeitung.
Standarddicken im Bauwesen liegen zwischen 3 und 19 mm. Die Biegebruchfestigkeit beträgt laut DIN EN 572 rund 45 N/mm². Floatglas ist nicht vorgespannt und bricht daher in große, scharfe Splitter, es ist für Anwendungen, die Sicherheitsglas erfordern, nicht geeignet.
Biegebruchfestigkeit: ca. 45 N/mm²
Temperaturwechselbeständigkeit: ca. 40 °C
Einsatz: Basis für ESG, VSG, Isolierglas, als Einfachverglasung heute kaum noch zulässig
WEIßGLAS (EISENARMES GLAS)
Normales Floatglas enthält Eisenoxid und wirkt dadurch leicht grünlich, besonders an den Kanten und bei dicken Scheiben. Weißglas, auch eisenarmes oder Extra-Weißglas genannt, wird mit deutlich reduziertem Eisenanteil hergestellt. Das Ergebnis ist ein farbneutrales, hochtransparentes Glas ohne Grünstich.
Die Lichttransmission liegt mit rund 91 Prozent höher als bei Standard-Floatglas (etwa 89 Prozent). Vor allem an polierten Kanten und bei Stärken ab 8 mm ist der Unterschied deutlich sichtbar. Bekannte Produktbezeichnungen sind Optiwhite, Diamant oder Pilkington Optiwhite.
Weißglas dient als Basis überall dort, wo Farbtreue zählt: bei hochwertigen Glasduschen, Möbeln, Vitrinen, als Trägerglas für Lackglas und bei Rückwänden, deren Farbton exakt stimmen soll.
Lichttransmission: ca. 91 Prozent
Typische Einsatzgebiete: Duschen, Möbel, Vitrinen, Lackglas, farbechte Rückwände
Ornament- und Strukturglas
Ornamentglas entsteht im Walzverfahren: Die noch zähflüssige Glasmasse wird zwischen profilierte Walzen geführt, die eine dauerhafte Struktur in die Oberfläche prägen. Dadurch wird das Glas lichtdurchlässig, aber nicht durchsichtig.
Es gibt eine große Auswahl an Mustern, von fein (Chinchilla, Silvit) bis grob (Altdeutsch, Mastercarré). Je nach Struktur fällt der Sichtschutz stärker oder schwächer aus. Viele Ornamentgläser lassen sich auch zu ESG vorspannen.
Typisch ist der Einsatz als Sichtschutz bei gleichzeitigem Lichtdurchlass: Innentüren, Trennwände, Fenster im Sanitärbereich und dekorative Anwendungen.
Funktion: Sichtschutz bei vollem Lichtdurchlass
Typische Einsatzgebiete: Innentüren, Trennwände, Badfenster, Deko
Satiniertes Glas und Mattglas
Mattglas wird durch Oberflächenbehandlung blickdicht gemacht, ohne den Lichtdurchlass aufzugeben. Zwei Verfahren sind üblich: Satinieren durch Säureätzung oder Mattieren durch Sandstrahlen. Satiniertes Glas hat eine besonders feine, gleichmäßige Oberfläche.
Ein praktischer Unterschied: Satiniertes Glas ist deutlich fingerabdruckärmer und leichter zu reinigen als sandgestrahltes. Der ältere Begriff Milchglas meint im Grunde dasselbe Erscheinungsbild. Auf Wunsch lassen sich auch nur Teilflächen mattieren, etwa für Muster, Logos oder Streifen.
Eingesetzt wird Mattglas dort, wo blickdichter Sichtschutz mit weichem Licht gefragt ist: Duschen, Türen, Trennwände und Möbelfronten.
Funktion: blickdicht und zugleich lichtdurchlässig
Vorteil satiniert: fingerabdruckarm, leichter zu reinigen
Typische Einsatzgebiete: Duschen, Türen, Trennwände, Möbel
Spiegel
Ein Spiegel ist Floatglas, auf dessen Rückseite eine reflektierende Silberschicht und darüber ein Schutzlack aufgebracht werden. Die Qualität entscheidet sich an dieser Beschichtung: Hochwertige Spiegel kommen mit kupferarmen, bleifreien Schichten aus, die deutlich korrosionsbeständiger sind.
Für Feuchträume wie Bäder ist das wichtig. Einfache Spiegel zeigen mit der Zeit dunkle Ränder (Blindstellen), wenn Feuchtigkeit die Beschichtung an den Kanten angreift. Spiegel mit korrosionsbeständiger Beschichtung und sauber versiegelten Kanten vermeiden das.
Spiegel lassen sich vielfältig veredeln: facettierte Kanten, integrierte LED-Beleuchtung oder eine Heizfolie gegen das Beschlagen.
Für Bäder: korrosionsbeständige Beschichtung, versiegelte Kanten
Veredelung: Facette, LED-Beleuchtung, Anti-Beschlag-Heizung
Lackglas (rückseitig lackiert)
Lackglas ist Floatglas oder Weißglas, das auf der Rückseite mit einer deckenden Farbschicht lackiert wird. Das Ergebnis ist eine glatte, brillante und vollflächig farbige Glasoberfläche. Auf Weißglas wirken die Farben besonders echt, weil der Grünstich des Standardglases entfällt.
Eingesetzt wird Lackglas vor allem als Küchenrückwand, als Möbelfront und zur Wandverkleidung. Hinter dem Kochfeld muss aus thermischen Gründen Lackglas in ESG-Qualität verwendet werden, damit es der Hitze standhält.
Die Farbpalette ist nahezu frei wählbar, üblich nach RAL- oder herstellereigenen Farbsystemen.
Typische Einsatzgebiete: Küchenrückwände, Möbelfronten, Wandverkleidung
Hinter dem Kochfeld: ESG-Qualität erforderlich
Farbe: frei wählbar nach RAL oder Herstellersystem
Drahtglas
Drahtglas ist Gussglas mit einem eingewalzten Drahtnetz. Historisch wurde es eingesetzt, weil das Drahtnetz im Brandfall die Bruchstücke eine Zeit lang zusammenhält.
Wichtig und oft missverstanden: Drahtglas ist kein Sicherheitsglas. Es bricht weiterhin in scharfe Stücke, und der freiliegende Draht kann zusätzlich Verletzungen verursachen. Wo Sicherheitsglas vorgeschrieben ist, erfüllt Drahtglas die Anforderung nicht.
In modernen Anwendungen ist Drahtglas weitgehend durch VSG, ESG und geprüftes Brandschutzglas ersetzt worden.
Wichtig: kein Sicherheitsglas, bricht in scharfe Stücke
Heute: meist durch VSG, ESG und Brandschutzglas ersetzt
ESG
ESG wird aus Floatglas hergestellt, indem die Scheibe in einem Ofen auf ca. 620 bis 680 °C erhitzt und anschließend durch Kaltluft schockartig abgekühlt wird. Dadurch entstehen Druckspannungen an der Oberfläche und Zugspannungen im Kern. Dieses Spannungsgleichgewicht macht das Glas deutlich bruchfester.
Die Biegebruchfestigkeit von ESG beträgt nach DIN EN 12150 120 N/mm², etwa dreimal so hoch wie Floatglas. Im Bruchfall zerfällt ESG in kleine, stumpfe Krümel ohne scharfe Kanten, was die Verletzungsgefahr erheblich reduziert. Allerdings besitzt ESG keine Resttragfähigkeit: Bricht die Scheibe, fällt sie vollständig aus.
Spontanbruch: ESG kann in seltenen Fällen durch eingeschlossene Nickelsulfid-Kristalle spontan brechen, ohne äußere Einwirkung. Um dieses Risiko zu minimieren, gibt es ESG-H (Heat-Soak-Test): Die Scheiben werden nach dem Tempern erneut auf ca. 290 °C erhitzt, um kritische Einschlüsse kontrolliert zum Bruch zu bringen, bevor das Glas eingebaut wird.
Wichtig für die Verarbeitung: Alle Schnitte, Bohrungen und Kantenbearbeitungen müssen vor dem Temperprozess erfolgen. Nach dem Tempern ist ESG nicht mehr zu bearbeiten, jeder Eingriff in die Oberfläche kann zum Spontanbruch führen.
Biegebruchfestigkeit: 120 N/mm²
Temperaturwechselbeständigkeit: bis 200 °C
Resttragfähigkeit: keine
Typische Einsatzgebiete: Duschen, Glastüren, Geländer, Küchen-Rückwände, Möbel
TVG
TVG wird im gleichen Verfahren wie ESG hergestellt, jedoch wird die Abkühlung langsamer durchgeführt. Dadurch entstehen geringere Eigenspannungen im Glas. Die Biegebruchfestigkeit beträgt nach DIN EN 1863 rund 70 N/mm², zwischen Floatglas (45 N/mm²) und ESG (120 N/mm²).
Im Bruchfall entstehen bei TVG große Risse, die radial vom Bruchzentrum zu den Rändern verlaufen, ähnlich wie bei Floatglas, jedoch mit weniger scharfen Kanten. Das entscheidende Merkmal: TVG behält auch nach dem Bruch eine gewisse Resttragfähigkeit. Deshalb wird TVG häufig als Komponente in VSG-Verbundscheiben eingesetzt, insbesondere für Überkopfverglasungen und absturzsichernde Verglasungen.
Biegebruchfestigkeit: 70 N/mm²
Resttragfähigkeit: ja (großflächige Bruchstücke bleiben im Verbund)
Typische Einsatzgebiete: Als Komponente in VSG für Überkopfverglasungen, absturzsichernde Verglasungen, Fassaden
VSG
VSG besteht aus mindestens zwei Glasscheiben, die durch eine oder mehrere elastische, reißfeste Zwischenschichten, üblicherweise aus Polyvinylbutyral (PVB), dauerhaft miteinander verbunden sind. Die Folien werden unter Hitze und Druck mit dem Glas laminiert.
Im Bruchfall haften die Scherben an der Folie. Die Scheibe bleibt als Einheit erhalten und bietet weiterhin Resttragfähigkeit und Schutz gegen Durchfall sowie gegen Durchdringen. Das ist der entscheidende Unterschied zu ESG: Bei ESG fällt das gesamte Glas aus, bei VSG bleibt die Scheibe im Rahmen.
VSG aus zwei Floatglas-Scheiben wird als VSG-Float bezeichnet. Hochwertige Ausführungen kombinieren TVG mit PVB-Folie, dadurch entsteht das beste Verhältnis aus Resttragfähigkeit und Splitterbindung. Für erhöhten Einbruch- oder Beschussschutz werden mehrlagige VSG-Aufbauten verwendet.
Resttragfähigkeit: ja
Zwischenschicht: PVB (Standard), EVA, Akustikfolie, SentryGlas (Sonderanwendungen)
Typische Einsatzgebiete: Überkopfverglasungen, Geländer, Absturzsicherungen, Schaufenster, Einbruchschutz, Schallschutz
Einbruchschutz und Widerstandsklassen
Angriffhemmende Verglasung wird über genormte Widerstandsklassen beschrieben und immer auf Basis von VSG mit dicken oder speziellen Folien aufgebaut. Die Bruchstücke haften an der Folie, sodass die Scheibe auch bei massiver Einwirkung als Barriere bestehen bleibt.
Die EN 356 unterscheidet zwei Stufen: durchwurfhemmend von P1A bis P5A (geprüft mit dem Kugelfallversuch, schützt gegen geworfene Gegenstände) und durchbruchhemmend von P6B bis P8B (geprüft mit Axt- und Werkzeugschlägen, schützt gegen gezieltes Aufbrechen). Für ballistische Anforderungen gilt die EN 1063 mit den Beschussklassen BR1 bis BR7.
Im Gebäude muss die Verglasung zur Widerstandsklasse des Fensters oder der Tür passen. Diese Einbruchklassen für Bauteile sind in der EN 1627 als RC1N bis RC6 geregelt. Für die in Wohnungen häufig empfohlene Klasse RC2 wird in der Regel eine Verglasung der Klasse P4A verlangt.
Norm Durchbruch: EN 356, P6B bis P8B (Werkzeugschläge)
Norm Beschuss: EN 1063, BR1 bis BR7
Bauteilklassen: EN 1627, RC1N bis RC6 (RC2 meist mit P4A)
Basis: VSG mit dicker oder spezieller Folie
Isolierglas
Isolierglas (MIG, Mehrscheiben-Isolierglas) besteht aus mindestens zwei Glasscheiben, die durch einen hermetisch abgeschlossenen Scheibenzwischenraum (SZR) getrennt sind. Der Randverbund hält die Scheiben im Abstand und verhindert, dass Gasfüllung entweicht und Feuchtigkeit eindringt.
Zweifach-Isolierglas (2-fach) war von 1995 bis ca. 2010 der Standard. Dreifach-Isolierglas (3-fach) hat heute den 2-fach-Standard in Neubauten weitgehend abgelöst. Seit 2007 gilt europaweite CE-Kennzeichnung nach DIN EN 1279.
Gasfüllung: Der SZR ist in modernen Scheiben nicht mit Luft, sondern mit Edelgas gefüllt. Argon ist das Standardgas, es leitet Wärme schlechter als Luft und verbessert den Ug-Wert spürbar. Krypton erlaubt schmalere Scheibenzwischenräume bei gleichem Dämmwert, ist aber deutlich teurer.
Blinde Scheibe (Tauwassereinbruch): Ist die Abdichtung des Randverbunds beschädigt, dringt Feuchtigkeit in den SZR ein. Das Glas beschlägt von innen und lässt sich nicht reinigen, die Scheibe muss ausgetauscht werden. Dieser Schaden ist irreparabel.
Isolierglas: Aufbau und Kennwerte
Mehrscheiben-Isolierglas besteht aus zwei oder drei Scheiben, die durch einen Randverbund auf Abstand gehalten werden. Der Scheibenzwischenraum ist mit einem Edelgas gefüllt, meist Argon, bei höchsten Anforderungen Krypton. Eine hauchdünne Beschichtung auf einer der inneren Glasflächen (Low-E) reflektiert Wärmestrahlung zurück in den Raum.
Der Aufbau wird kurz notiert, zum Beispiel 4-16-4 für zwei 4-mm-Scheiben mit 16 mm Zwischenraum. Bei Dreifachglas etwa 4-16-4-16-4. Der Ug-Wert beschreibt die Wärmedämmung der Verglasung: Zweifachglas erreicht heute rund 1,1 W/(m²K), gutes Dreifachglas etwa 0,5 bis 0,7 W/(m²K). Je kleiner, desto besser.
Zwei weitere Kennwerte sind wichtig: der g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad) beschreibt, wie viel Sonnenenergie ins Innere gelangt, und der psi-Wert die Wärmebrücke am Randverbund. Ein moderner Warme-Kante-Abstandhalter aus Kunststoff statt Aluminium verbessert diesen Randverbund spürbar.
Beschichtung: Low-E, reflektiert Wärmestrahlung
Ug 2-fach: ca. 1,1 W/(m²K)
Ug 3-fach: ca. 0,5 bis 0,7 W/(m²K)
Weitere Kennwerte: g-Wert (Sonnenenergie), psi-Wert (Randverbund), Warme Kante
U-Wert (Ug-Wert)
Der Wärmedurchgangskoeffizient Ug (g = glass) gibt an, wie viel Wärmeenergie pro Sekunde durch eine Glasscheibe der Fläche 1 m² bei einer Temperaturdifferenz von 1 Kelvin zwischen innen und außen verloren geht. Die Einheit ist W/(m²·K). Je niedriger der Wert, desto besser die Wärmedämmung. Berechnung und Messung erfolgen nach DIN EN 673.
Angaben beziehen sich immer auf den senkrechten Einbaufall. Bei geneigter Verglasung (z.B. Dachverglasungen) steigt der Ug-Wert physikalisch bedingt an, da die Konvektion im SZR zunimmt.
| Verglasung | Typischer Ug-Wert | Bewertung |
|---|---|---|
| Einfachverglasung | ca. 5,8 W/(m²·K) | Heute nicht mehr zulässig |
| 2-fach Standard (Luft) | ca. 2,8 W/(m²·K) | Altbestand |
| 2-fach Wärmeschutz (Argon, Low-E) | ca. 1,0 bis 1,1 W/(m²·K) | GEG-konform für Sanierung |
| 3-fach Wärmeschutz (Argon) | ca. 0,6 bis 0,8 W/(m²·K) | Neubau-Standard |
| 3-fach (Krypton/Xenon) | ca. 0,4 W/(m²·K) | Passivhaus |
Ug-Werte sind Richtwerte. Hersteller-Datenblätter und Prüfzertifikate sind maßgebend.
Schallschutz
Die Schalldämmung von Glas wird als bewertetes Schalldämmmaß Rw in Dezibel (dB) angegeben. Gemessen wird nach DIN EN ISO 10140-2 an einem Prüfformat von 1,23 × 1,48 m. Der Rw-Wert ist ein Laborwert; im eingebauten Zustand (R'w) liegt er typisch 2 bis 5 dB darunter, abhängig von Montagequalität und Flankenübertragung.
10 dB mehr Schalldämmung entsprechen einer subjektiv wahrgenommenen Halbierung der Lautstärke. Für Fenster definiert die VDI-Richtlinie 2719 sechs Schallschutzklassen (SSK 1 bis 6).
| Klasse | Rw-Bereich | Typische Lärmsituation |
|---|---|---|
| SSK 1 | Rw ≥ 25 dB | Ruhige Wohnlage |
| SSK 2 | Rw ≥ 30 dB | Normale Wohnstraße |
| SSK 3 | Rw ≥ 35 dB | Belebte Straße, Gewerbegebiet |
| SSK 4 | Rw ≥ 40 dB | Hauptstraße, städtische Lage |
| SSK 5 | Rw ≥ 45 dB | Stark befahrene Straße |
| SSK 6 | Rw ≥ 50 dB | Flughafen, Autobahn |
Praxishinweis: Echter Schallschutz erfordert asymmetrische Glasdicken (z.B. 6 mm und 4 mm statt zweimal 4 mm) sowie eine sorgfältige Montage. Die schwächste Stelle ist fast immer nicht das Glas, sondern die Anschlussfuge oder eine undichte Tür.
Sonnenschutzglas
Sonnenschutzglas hat eine Beschichtung oder eine eingefärbte Masse, die den Energieeintrag der Sonne reduziert. Relevanter Kennwert ist der g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad, auch Sonnenschutzfaktor): Er gibt an, welcher Anteil der Solarstrahlung durch die Verglasung in den Raum gelangt.
Ein g-Wert von 0,20 bedeutet, dass 20 % der auftreffenden Solarenergie in den Raum gelangt. Je niedriger der Wert, desto geringer die Aufheizung. Sonnenschutzglas kann gleichzeitig einen niedrigen Ug-Wert aufweisen, beides schließt sich nicht aus.
Tc: Lichtdurchlässigkeit (wie viel sichtbares Licht durchgelassen wird)
Typische Sonnenschutzgläser: g-Wert 0,20 bis 0,40, Tc 40 bis 70 %
Einsatz: Südausgerichtete Fassaden, Dachverglasungen, Wintergärten, Bürogebäude
Praxisbeispiel: wie Sonnenlicht Parkett altern lässt und was VSG wirklich leistet.
Brandschutzglas
Brandschutzglas hält im Brandfall für eine definierte Zeit stand und wird nach EN 13501-2 klassifiziert. Die Buchstaben beschreiben die Schutzwirkung: E steht für Raumabschluss (hält Flammen und Rauch zurück), EI ergänzt die Wärmedämmung (begrenzt zusätzlich die Hitze auf der abgewandten Seite), EW liegt dazwischen.
Dahinter steht immer eine Zeit in Minuten, etwa E30, EI30, EI60 oder EI90. Die früheren deutschen Klassen G (Raumabschluss) und F (Raumabschluss mit Wärmedämmung) werden noch häufig genannt. EI-Gläser bestehen aus Verbundscheiben mit speziellen Schichten, die unter Hitze aufschäumen und das Glas undurchsichtig machen.
Brandschutzglas funktioniert nur als geprüftes System aus Glas und Rahmen mit entsprechender Zulassung. Eingesetzt wird es bei Brandschutztüren, Trennwänden, in Treppenhäusern und entlang von Fluchtwegen.
Klassen: E, EW, EI mit Zeit (E30, EI90 ...)
Alte Klassen: G (Raumabschluss), F (mit Wärmedämmung)
Wichtig: nur als zugelassenes System aus Glas und Rahmen
Typische Einsatzgebiete: Brandschutztüren, Trennwände, Treppenhäuser, Fluchtwege
Begehbares Glas
Begehbares Glas trägt Personenlasten und wird als mehrschichtiges VSG aufgebaut, oft aus drei oder mehr Scheiben. Die unteren Lagen übernehmen die Tragfähigkeit, die oberste dient als Opferscheibe, die bei Beschädigung getauscht werden kann, ohne die Tragwirkung zu verlieren.
Damit es rutschsicher ist, erhält die Oberfläche eine rutschhemmende Behandlung, etwa einen Siebdruck oder eine sandgestrahlte Struktur, klassifiziert nach Rutschhemmungsklassen (R-Klassen nach DIN 51130). Die Scheibe wird statisch auf die jeweilige Verkehrslast bemessen.
Eingesetzt wird begehbares Glas für Glasböden, begehbare Oberlichter, Treppenstufen und Podeste.
Oberfläche: rutschhemmend (R-Klasse nach DIN 51130)
Bemessung: statisch nach Verkehrslast
Typische Einsatzgebiete: Glasböden, Oberlichter, Treppenstufen, Podeste
Gebogenes Glas
Gebogenes Glas entsteht, indem Floatglas über eine Form erhitzt und durch sein Eigengewicht in die gewünschte Krümmung gebracht wird (Schwerkraftbiegen). Anschließend lässt es sich wie ebenes Glas weiterveredeln, zu gebogenem ESG, gebogenem VSG oder gebogenem Isolierglas.
Jede Scheibe wird auf einen bestimmten Radius gefertigt, die möglichen Radien und Maßtoleranzen sind enger als bei ebenem Glas. Für jedes Bauteil ist daher eine genaue Vorgabe von Radius und Schablone nötig.
Typische Einsatzgebiete sind Rundduschen, gebogene Geländer, Vitrinen, Möbel, Treppen und Fassadenelemente.
Veredelbar zu: gebogenes ESG, VSG, Isolierglas
Typische Einsatzgebiete: Rundduschen, Geländer, Vitrinen, Treppen, Fassaden
Bedrucktes Glas und Digitaldruck
Glas lässt sich dauerhaft gestalten. Beim keramischen Digitaldruck werden keramische Farben aufgetragen und beim Vorspannen in die Oberfläche eingebrannt. Das Ergebnis ist kratzfest, UV-stabil und alterungsbeständig. Daneben gibt es den klassischen Siebdruck für einfarbige Flächen und Muster.
Möglich sind vollflächige Farben, Muster, Logos oder fotorealistische Motive, in der Regel auf die Rückseite von Klar- oder Weißglas gedruckt. Keramischer Druck auf ESG ist besonders robust und damit auch für stark beanspruchte Bereiche geeignet.
Eingesetzt wird bedrucktes Glas für Küchenrückwände mit Motiv, Wandverkleidungen, Sichtschutz mit Muster, Fassaden und zur Markendarstellung.
Eigenschaften: kratzfest, UV-stabil, dauerhaft
Motive: Farbe, Muster, Logo, fotorealistisch
Typische Einsatzgebiete: Rückwände, Wandverkleidung, Sichtschutz, Fassaden
Nanobeschichtung
Nanobeschichtungen erzeugen auf der Glasoberfläche einen Lotus-Effekt: Wasser perlt ab und nimmt dabei Schmutz mit. Kalk haftet kaum noch. Das Reinigungsintervall verlängert sich deutlich. Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Varianten:
Wird nach der Montage auf das Glas aufgebracht. Füllt mikroskopische Poren in der Glasoberfläche. Erzeugt sofort einen spürbaren Abperleffekt. Lässt nach einigen Jahren nach und kann erneuert werden.
Wird beim Hersteller während des Temperprozesses dauerhaft mit der Glasoberfläche verbunden. Kein Nachlassen der Wirkung, kein Erneuern nötig. Wasser perlt dauerhaft ab.
Beide Varianten erfordern schonende Pflege: keine Stahlwolle, keine scheuernden Reiniger, keine säurehaltigen Mittel. Normale Reiniger und Wasser reichen dauerhaft aus.
Bruchverhalten im Vergleich
MAßTOLERANZEN
Glasscheiben haben fertigungsbedingte Maßtoleranzen. Diese sind in DIN EN 572 (Floatglas), DIN EN 12150 (ESG), DIN EN 1863 (TVG) und DIN EN ISO 12543 (VSG) normiert. Typische Grenzabmaße für Floatglas bis 6 mm Dicke:
| Maß (B oder H) | Floatglas ≤ 6 mm | ESG/TVG ≤ 8 mm |
|---|---|---|
| ≤ 1500 mm | ± 1,0 mm | ± 2,0 mm |
| ≤ 2000 mm | ± 1,5 mm | ± 3,0 mm |
| ≤ 3000 mm | ± 2,0 mm | ± 4,0 mm |
Wichtig: Bei ESG und TVG ist keine nachträgliche Kantenbearbeitung oder Maßkorrektur möglich. Die Scheibe muss mit dem richtigen Maß aus der Fertigung kommen. Daher ist ein präzises Aufmaß vor der Bestellung entscheidend.
Wenn Sie den Konfigurator nutzen, können Sie ein Foto Ihres Glas- oder Duschbereichs hochladen und Maße einzeichnen. Dieses Foto wird ausschließlich zur Angebotserstellung an uns übermittelt.
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